Drucken
öffnen / schließen
Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter oder Google in die USA übertragen und unter Umständen auch dort gespeichert. Näheres erfahren Sie hier: https://www.heise.de/ct/artikel/2-Klicks-fuer-mehr-Datenschutz-1333879.html

Brexit: Deal der Vernunft

Die Regierung des Vereinigten Königreiches (UK) und die EU haben sich auf ein Verfahren geeinigt, wie die Briten die Gemeinschaft europäischer Staaten verlassen. Ein Element: Die Verlängerung der Frist für ein geordnetes Ausscheiden aus allen Regularien und Institutionen der EU. Gerade im Gesundheitssektor ist diese Fristverlängerung der richtige Weg, um Versorgungsproblemen auf beiden Seiten des Ärmelkanals vorzubeugen. Jetzt muss noch das britische Parlament diesem Deal der Vernunft zustimmen.

Symbolhafte Darstellung des Brexits: Aus einem Kreis aufgeklebter gelber Sterne auf einer blauen Wand fällt ein Stern auf den Boden und offenbart auf seiner Rückseite den Union Jack.

Eng verbunden: Gerade bei Arzneimitteln

Jährlich gehen rund 1 Mrd. Arzneimittelpackungen aus dem Vereinigten Königreich in die EU bzw. vom Kontinent auf die Insel. Keine Zahl zeigt besser, wie eng die Verflechtungen zwischen dem Vereinigten Königreich und den anderen EU-Ländern sind. Gerade im Arzneimittelsektor spielt das Vereinigte Königreich weltweit eine wichtige Rolle. Entsprechend hoch ist bislang auch sein Gewicht innerhalb der EU. Sichtbares Zeichen ist der Sitz der europäischen Zulassungsbehörde EMA in London. Doch das ändert sich gerade. Mit Vollzug des Brexit muss die Behörde im März 2019 in ein EU-Land, und zwar nach Amsterdam umziehen.

Fristverlängerung gibt Zeit, die Dinge sorgfältig zu regeln

Der Brexit wird damit zum mehrfachen Stresstest für Pharma-Unternehmen. Sämtliche Zulassungen und Genehmigungen für Medikamente, aber auch für klinische Studien, bei denen der Rechteinhaber im Vereinigten Königreich sitzt, müssen auf ein EU-Land übertragen werden bzw. der Rechteinhaber muss seinen Sitz wechseln. Und das unter Zeitdruck, weil Ende März nächsten Jahres der Brexit nach den EU-Verträgen wirksam wird und gleichzeitig die europäische Arzneimittelbehörde umzieht. Hinzu kommen Änderungen bei den zuständigen Firmenstellen im Bereich Arzneimittelsicherheit und Qualitätsprüfung sowie bei der Produktinformation. Damit diese Fragen im Arzneimittelsektor gründlich und sorgfältig geklärt werden können, ist die im Brexit-Deal vorgesehene weitere Anwendung für das bisher geltende EU-Recht für Arzneimittel bis Ende 2020 die richtige Entscheidung!

Vorsichtige Entflechtung

Die sehr enge Verflechtung bei Herstellung, Kontrolle, Vertrieb und Überwachung von Medikamenten und bei der Durchführung von klinischen Studien zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich lässt sich nicht auf Knopfdruck beenden: Eine vorsichtige Entflechtung und Neuregelung in lebenswichtigen Bereichen, wie dem der Arzneimittelversorgung, ist der bessere und verantwortungsvollere Weg.