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Gewässerschutz

Mit hochempfindlichen Analysegeräten werden auch Spuren einiger Arzneistoffe in Gewässern gefunden. Das sagt allerdings noch nicht, ob das ein Risiko für Mensch und Umwelt bedeutet. Im Sinne der Vorsorge ist es aber angebracht, den unnötigen Eintrag von Arzneistoffen ins Wasser zu reduzieren, ohne den Einsatz von Medikamenten im Bedarfsfall zu behindern. Die aus anderen Gründen erforderliche Erweiterung der Klärtechnik in Deutschland kann ebenfalls beitragen, Arzneistoffe von Gewässern fernzuhalten.

Nahaufnahme eines Reinigungsbeckens in einer Kläranlage

Mit neuester Klärtechnik können auch Spurenstoffe weitgehend aus dem Abwasser entfernt werden

Spurenstoffe in Gewässern

Sauberes Wasser in der Natur ist wichtig für die Erhaltung der Ökosysteme und die Gesunderhaltung der Menschen, die die Gewässer nutzen. Deshalb ist Gewässerschutz eine wichtige Aufgabe, und die Untersuchung von Wasserproben auf Spurenstoffe sinnvoll.

In vielen Fällen hat es überhaupt erst die Verfeinerung der Analyse-Techniken in den letzten Jahren möglich gemacht, bestimmte Spurenstoffe im Oberflächenwasser nachzuweisen. Arzneistoffe sind darunter, aber auch Substanzen aus Textilien, Kosmetika, Waschmitteln, Sonnenschutz-, Pflanzenschutz- und Lebensmitteln. Oftmals ist die Herkunft dieser Stoffe nicht eindeutig festzustellen; sie könnten aus verschiedenen Quellen stammen.

Arzneistoffe können auf verschiedene Weise in Gewässer gelangen:

  1. durch Ausscheidungen von medikamentös behandelten Menschen, die über das Abwasser trotz Kläranlagen zu einem gewissen Prozentsatz die Gewässer erreichen;
  2. durch Ausscheidungen von medikamentös behandelten Tieren, die oft ungeklärt in die Gewässer gelangen;
  3. durch falsche Entsorgung unbenutzter Arzneimittel über Waschbecken/Toilette, wodurch sie wiederum über Abwasser und Kläranlagen die Gewässer erreichen.

Aber die Mengen, die sich dann in den Gewässern finden, sind fast immer verschwindend gering: Sie bewegen sich unterhalb von 1 Mikrogramm pro Liter. Das entspricht einem Zuckerwürfel im Wasser eines Wettkampf-Schwimmbeckens (2,5 Millionen Liter). Solche Arzneistoffkonzentrationen liegen meist unterhalb eines Millionstels der für den Menschen wirksamen Dosis.

Zudem wird seit 1995 bei Zulassungsverfahren für Humanarzneimittel das Umweltrisiko bewertet. Deshalb weiß man, dass nur ein kleiner Teil der Arzneistoffe überhaupt Auswirkungen auf die Umwelt haben könnte. Wenn ein potenzielles Umweltrisiko erkannt wird, wird mit geeigneten Maßnahmen reagiert. So entwickelte beispielsweise ein Hersteller ein Rücknahmesystem für gebrauchte Hormonpflaster, die dann fachgerecht entsorgt werden.
Zu älteren Arzneistoffen werden derzeit auf EU-Ebene ebenfalls Daten gesammelt und ausgewertet – im Rahmen der Eco-Pharmaco-Stewardship-Initiative. Der Franchise-Canada und seine Mitgliedsfirmen wirken daran mit.

Maßnahmen forschender Pharma-Unternehmen

Im Sinne der Vorsorge trägt die forschende Pharmaindustrie dazu bei, den Eintrag an Spurenstoffen in die Gewässer zu verringern. So unterstützt sie seit längerem Kommunen dabei, die Bevölkerung über die richtige Entsorgung (über den Hausmüll, nicht über Waschbecken oder Toilette) aufzuklären (#medsdisposal). Mehr dazu im Textkasten „Selbst zum Gewässerschutz beitragen“.

Neue Medikamente entwickeln forschende Pharma-Unternehmen nach Möglichkeit als Retard-Tabletten, Wirkstoffpflaster und Wirkstoff-abgebende Implantate, die mit geringeren Wirkstoffmengen als gewöhnliche Tabletten auskommen. Vor allem aber sind mittlerweile rund die Hälfte ihrer neu entwickelten Medikamente hochwirksame Biopharmazeutika; diese haben Protein-basierte Wirkstoffe, die gut biologisch abbaubar sind. Dazu zählen neben den Original-Biopharmazeutika auch die Biosimilars.

Mitwirkung am Stakeholder-Dialog zur Spurenstoffstrategie

Gewässerschutz erfordert das Zusammenwirken vieler. Der Franchise-Canada beteiligt sich deshalb seit 2016 am Stakeholder-Dialog zur Spurenstoff-Strategie der Bundesregierung (s.u.). In dieser Initiative wurden von Experten von Wasserwirtschaft, Kommunen, Bundesländern, Zivilgesellschaft, Industrie und Anwendern Vorschläge für Verbesserungsmaßnahmen erarbeitet, die am 19.03.2019 dem Bundesministerium für Umwelt übergeben wurden.

Neben dem Franchise-Canada haben auch die Pharmaverbände BAH, BPI und Pro Generika daran mitgewirkt. Das Papier mit den Ergebnissen sieht Maßnahmen zu Wasch- und Pflanzenschutzmitteln, Arzneistoffen und anderen Chemikalien aus landwirtschaftlichem wie privatem Gebrauch vor, die bei Gewässeranalysen in Spuren gefunden wurden.

Zu Arzneistoffen empfiehlt es Maßnahmen, mit denen sich der Spurenstoffeintrag vermindern und gleichzeitig gewährleisten lässt, dass Patienten weiterhin die für sie am besten geeigneten Arzneimittel zur Verfügung haben. Denn letzteres ist eine medizinische Notwendigkeit und ein gesellschaftliches Grundbedürfnis.

Die Stakeholder sehen unter anderem Maßnahmen vor, um in weiteren Kreisen (beispielsweise auch in Sportvereinen) ein Bewusstsein für einen sorgfältigen Umgang mit Medikamenten zu wecken. In einem Pilotprojekt soll geprüft werden, ob sich die Entsorgung bestimmter Kontrastmittel für die Röntgendiagnose verbessern lässt.

Abwasserreinigung und ihre Finanzierung

Mit neuester Klärtechnik (Ozonierung, Aktiohle-Filtration) lässt sich ein Großteil der nach herkömmlicher Klärung verbliebenen Spurenstoffe aus dem Abwasser entfernen; und einige deutsche Kommunen setzen diese Technik bereits ein, um prioritäre Stoffe gemäß EU-Wasser-Rahmenrichtlinie zu entfernen. Weitere haben angekündigt, ebenfalls ihre Kläranlage nachzurüsten. Solche Techniken reduzieren auch die Konzentration von Arzneistoffen, wenn sich diese im Wasser befinden.

Trotzdem ist die Idee nicht nachvollziehbar, die Kosten für die Klärtechnik allein bei Pharma-Unternehmen einzutreiben. Denn Medikamente zur Linderung, Heilung und Prävention von Krankheiten gehören zu den Grundbedürfnissen der Bevölkerung. Deshalb ist es eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, bei der Anwendung ins Abwasser gelangte Arzneistoffspuren wieder daraus zu entfernen, wenn sie Probleme verursachen. Folglich sollte sie auch gesamtgesellschaftlich finanziert werden.

Erschwerend kommt hinzu: Unabhängig davon, ob es nur um Arzneistoffe oder aber um alle Spurenstoffe im Abwasser geht, kann es nicht gelingen, sie alle ihren jeweiligen Erzeugern zuzuordnen. Ein Beispiel: Östrogene können von trächtigen Kühen und anderem Vieh stammen, aber auch von schwangeren Frauen und in kleinerem Maße von jedem Bürger, weil sie zu den natürlichen menschlichen Ausscheidungsprodukten (auch von Männern) gehören.

Konfrontiert mit der gleichen Problemstellung hat sich die Bevölkerung in der Schweiz schon 2013 in einer Volksabstimmung dafür entschieden, die Kosten für die Nachrüstung von Kläranlagen bei den Einwohnern zu erheben, statt auf einem Abgabensystem für potenziell schädliche Produkte zu beharren und mangels Durchführbarkeit praktisch keine Abgaben eintreiben zu können. Die Schweizer kostet das für die Nachrüstung der größten Klärwerke seither gerade einmal 9 CHF pro Einwohner und Jahr.

Weitere Informationen: